Rezension "Häkelenten tanzen nicht"

Häkelenten tanzen nicht

Jennifer Wolf
© Marcus Lieske
Jennifer Wolf lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in einem kleinen Dorf zwischen Bonn und Köln. Aufgewachsen ist sie bei ihren Großeltern und es war auch ihre Großmutter, die die Liebe zu Büchern in ihr weckte. Aus Platzmangel wurden nämlich alle Bücher in ihrem Kinderzimmer aufbewahrt und so war es unvermeidbar, dass sie irgendwann mal in eins hineinschaute. Als Jugendliche ärgerte sie sich immer häufiger über den Inhalt einiger Bücher, was mit der Zeit zu dem Entschluss führte, einfach eigene Geschichten zu schreiben. Quelle

Alexandra Fuchs
© privat

Alexandra Fuchs ist in einem kleinen Dorf in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen. Momentan studiert sie am Bodensee Literatur-Kunst-Medien und kann dabei ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Schon früh zogen sie Bücher in ihren Bann und sie fing an kleine Kurzgeschichten und Gedichte zu schreiben. Daraus wurden schließlich Geschichten, die ganze Bücher füllen konnten. Quelle

Website von Jennifer Wolf und Alexandra Fuchs!



Erster Satz:
„Frank? Hast du das verdammte Geschenk?“

Klappentext:
Eigentlich wollte Sam Frank schreiben. Und eigentlich wollte Alice Sam nur sagen, dass sie nicht Frank ist. Doch dann kamen die Häkelenten dazwischen. Diejenigen, die auf dem Klopapier von Sams Oma saßen. Und die Silvesternacht, in der Sam nicht ganz lesbare Neujahrsgrüße verschickte. An Alice. Die zurückschrieb. Und Sam, der antwortete. Bis sie beide nicht mehr aufhören konnten…

Cover:
Das Cover finde ich toll und irgendwie mal was ganz anderes. Zu sehen ist ein junges Paar, das sich küsst. Im Vordergrund sieht man ein Smartphone.  Auf dem Display sind die beiden Küssenden zu sehen, denn der junge macht gerade ein Foto von ihnen. Im oberen Teil des Covers ist der Titel in einer Chatblase zu lesen. Sehr stimmig und die Atmosphäre spricht mich total an. Es passt auch im Nachhinein, wie ich finde, sehr schön zum Inhalt des Buches. Dieses Cover macht neugierig auf mehr und man möchte unbedingt erfahren, was es mit den beiden auf sich hat. Mir gefällt es unglaublich gut.


Meinung:
Das Buch ist ein Chat-Roman und für mich war es der erste seiner Art. Ich weiß gar nicht, ob es noch einen anderen gibt? Mir ist er dann auf jeden Fall nicht bekannt.  Schon allein deswegen war ich extrem neugierig darauf und wurde nur positiv überrascht!

Die Geschichte erfahren wir aus Sichten unserer beiden Protagnisten Sam und Alice, die sich durch einen Zufall über eine falsche Chatnachricht kennenlernen und ineinander verlieben.
Alice ist ein sehr lebhaftes junges Mädchen, das das Tanzen über alles liebt. Ich mochte sie sofort. Sie hat eine sehr erfrischend ehrliche Art an sich, ist total lebendig, sehr gefühlvoll und zudem humorvoll. Für die Beziehung zu Sam kämpft sie mit ganzem Herzen und dafür mochte ich sie nur umso mehr. Obwohl sie im Verlauf der Geschichte einige schwierige Situationen überwinden muss, so wird sie dadurch nur stärker und wächst über sich hinaus. Sie erkennt, was sie wirklich will und plant ihre Zukunft.
Ihr zur Seite steht Sam, den ich genauso ins Herz geschlossen habe wie Alice. Dadurch, dass er taub ist, führt ein komplett gegensätzliches Leben zu Alice. Tagtäglich setzt er sich mit Diskriminierung, Benachteiligung und Vorurteilen aus seiner Umwelt auseinander. Trotzdem meistert er sein Leben, auch wenn er mal stolpert. Sam ist ein sehr einfühlsamer Mensch, der sich um alles und jeden Gedanken macht. Seine Beziehung zu Alice wird durch ihn selbst auf eine harte Probe gestellt. Doch auch er macht eine starke Entwicklung durch und erkennt, dass was wirklich zählt und dass es sich für Alice zu kämpfen lohnt.
Auch die übrigen Charaktere sind sehr interessant, kreativ und liebevoll ausgearbeitet worden. Wie z.B. Frank oder Nora.

Zunächst war ich sehr neugierig darauf, was ich mir unter einem Chat-Roman vorstellen sollte. Die Dialoge finden ausschließlich über Chatnachrichten oder E-Mails statt. Da musste ich mich erst einmal dran gewöhnen und ich muss gestehen, dass ich mir an manchen Stellen eine Szenenbeschreibung,  wie es sie in „normalen“ Büchern gibt, gewünscht hätte. Einfach, um noch näher an den Charakteren zu sein und noch mehr zu erleben. Aber es hat mir trotzdem sehr gut gefallen und war mal etwas ganz anderes.
Zudem war ich sehr überrascht, dass sich das Buch so intensiv mit Gehörlosen beschäftigt. Dafür war der Chatroman das perfekte Format. Ich persönlich habe mich mit diesem Thema bis zu diesem Buch noch nicht auseinander gesetzt und muss gestehen, dass die beiden Autorinnen es wunderbar umgesetzt haben. An dieser Stelle mag ich dazu  gar nicht mehr verraten, um nicht zu spoilern. Lasst euch also einfach  überraschen.

Den Schreibstil der beiden Autorinnen  kannte ich bis dahin nur aus ihren Bittersweets Just Friends, Summer Boys und Lügenhaben blaue Augen. Zusammen haben die beiden ein wirklich tolles Buch geschrieben, das ich einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Sehr einfühlsam, humorvoll und authentisch erzählen die beiden die Geschichte von Alice und Sam in einem völlig ungewohnten Format. Von Beginn an ist die Geschichte sehr fesselnd und es kam mit keiner Minute Langeweile auf. Vor allem zum Ende hin nehmen die Ereignisse zu und überschlagen sich förmlich. Es ist schon fast „zu viel“ passiert, sodass ich mich richtig konzentrieren musste, um den Überblick zu behalte. Vielleicht hätte man noch einen zweiten Teil schreiben können? Ich persönlich würde mich über eine Fortsetzung der beiden so oder so sehr freuen.

Natürlich fehlt auch in diesem Buch die Liebe nicht. Die Liebesgeschichte von Alice und Sam hat mir wirklich gut gefallen. Die beiden ergänzen einander wirklich gut und kommen zudem aus komplett unterschiedlichen Welten. Sie müssen sich vielen Problemen und Konflikten stellen und ständig ihre Beziehung verteidigen. Aber am Ende erkennen sie, was wirklich zählt und planen ihre gemeinsame Zukunft.  Eine sehr gefühlvolle, humorvolle und dramatische Liebesgeschichte, die ich sehr gerne verfolgt habe.

„Häkelenten tanzen nichts“ war für mich ein Chatroman, der auf ganzer Linie überzeugen konnte. Eine wunderbare Liebesgeschichte, die sich mit den zahlreichen Facetten des Lebens auseinandersetzen muss und sich immer und immer wieder behaupten muss. Es ist eine tolle Geschichte über Minderheiten, über Träume und Freundschaft, über Familie, Liebe und eine gemeinsame Zukunft. Tolle Charaktere, eine kreative Idee und bildhaftes Setting! Lasst euch von Alice und Sam verzaubern und erlebt, warum Häkelenten nicht tanzen :)

Lg
Levenya

Verlag
 
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Fakten:
Format: Kindle Edition
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 251 Seiten
Verlag: Impress
Sprache: Deutsch
Preis: 3,99€

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