Rezension "Die Seiten der Welt - Blutbuch"

Die Seiten der Welt
-      Blutbuch

Kai Meyer
(c) Gaby Gerster
3/3
Kai Meyer, geboren 1969, ist einer der wichtigsten deutschen Phantastik-Autoren. Er hat über fünfzig Romane veröffentlicht, Übersetzungen erscheinen in dreißig Sprachen. Seine Geschichten wurden als Film, Hörspiel und Graphic Novel adaptiert und mit Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet. Quelle

„Blutbuch“ ist das Finale  der „Seiten der Welt“- Trilogie.
Website des Autors!

Erster Satz:
„Die Geister der Bücher bevölkerten den leeren Saal.“

Klappentext:
Das Ende der Bücher

„Schreibe etwas in den Büchern der Schöpfung um, und du veränderst die Vergangenheit. Und mit ihr die Gegenwart und Zukunft. Furia, du hast die Macht, diese Welt zu einer besseren zu machen. Wer schlägt so eine Chance aus?“
„Ich“, sagte sie.

Das Sanktuarium ist untergegangen, aber schon wird die bibliomantische Welt von einer neuen, übermächtigen Gefahr bedroht. Die Ideen steigen aus dem goldenen Abgrund zwischen den Seiten der Welt auf und verschlingen ein Refugium nach dem anderen. Bald ahnt Furia, dass sie die einzige ist, die die Vernichtung der Welt aufhalten kann und dass sie dafür einen sehr hohen Preis zahlen muss. Doch ist sie dazu bereit?

Cover:
Das Cover ist einfach wieder wundervoll gestaltet worden und mit Abstand eines meiner liebsten Buchcover. Es lädt ein zum Träumen, ist magisch, kreativ und so detailliert. Zudem ist es ganz aufwendig und hochwertig gestaltet worden. Der Untergrund ist ganz in Rot und der Rest in einem Gold, das schimmert. Ich habe mich augenblicklich in die gesamte Gestaltung verliebt. Die Reihe sieht zusammen einfach toll aus.


Buchtrailer zum 1. Teil:

Interview mit Kai Meyer zu ›Die Seiten der Welt‹

Meinung:
(c) Fischerverlag
Ich bin ein ganz großer Kai Meyer Fan und habe seinem neusten Werk schon lange hin gefiebert! Nachdem ich mit Begeisterung Die Seiten der Welt und DieSeiten der Welt - Nachtland gelesen habe, habe ich dem Finale entgegengefiebert und bin voll und ganz auf meine Kosten gekommen.

Gleich die ersten paar Sätze haben mich erneut gefesselt, sodass ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte und somit das Finale in einem Rutsch durchgelesen habe.
Die Geschichte wird uns zum größten Teil erneut aus Sicht der sechzehnjährigen Furia Salamander Faerfax erzählt, die dabei ist, ihre bibliomantischen Fähigkeiten zusammen mit ihrem Seelenbuch, ein Schnabelbuch, auszubauen.  Ich mochte sie bereits in den ersten Teilen sofort und das nicht nur, weil ich ihre Liebe zu Büchern teile! Sie ist sehr aufgeweckt, neugierig und intelligent. Zudem besitzt sie eine ordentliche Portion Mut und würde für ihre Liebsten - und besonders für ihren kleinen Bruder Pip - alles tun. Außerdem ist Furia jemand, der sich nicht von einer vorgelebten oder festgelegten Meinung lenken lässt. Sie ist offen für andere Meinungen, Wahrheiten, lässt sich darauf ein und auch umstimmen. Das fällt so manchem Erwachsenen nicht leicht und das mochte ich sehr an ihr. Furia macht eine ganz starke und rasante Entwicklung durch.
Nach den schrecklichen Ereignissen bei ihr Zuhause überschlagen sich die Ereignisse förmlich. Die Residenz ist zum neuen Wohnsitz der Rebellen geworden und von dort aus werden sämtliche Aktionen koordiniert, an denen auch Furia teilnimmt. Dabei muss sie auf die harte Tour lernen, dass ihre heile Welt gar nicht so perfekt ist und nicht alles schwarz und weiß, wie ihr Vater es ihr vorgelebt hat. Ihr Weltbild verändert sich zunehmend und sie lernt, auf ihr Gefühl zu  hören. Dabei bildet sie sich ihre eigene Meinung, vertritt diese und steht loyal und mutig für ihre Überzeugungen ein. Mit der neuen Macht, welche Furia durch die Bibliomantik bekommt, hat sie zunehmend weniger Probleme. Am Ende des 2. Teils wird sie von den Ideen verschlungen und landet in den Nachtrefugien.
In diesem Band muss sie wichtige Entscheidungen treffen, die über das Schicksal aller entscheiden kann. Es liegt alleine in ihrer Hand. Sie macht sich ihre Entscheidungen nicht leicht und das finde ich toll an ihr. Furia entwickelt sich zu einer starken Persönlichkeit, die sich nicht beeinflussen lässt und für ihre Überzeugungen eintritt. Dabei muss sie schwere Schicksalsschläge hinnehmen, die auch ihre Zukunft betreffen.
Am besten an Furia gefällt mir, dass wir mit ihr zusammen die Welt der Bibliomanten kennen lernen,  wir gemeinsam eintauchen und erkunden. Wie Furia wachsen auch wir in diese Welt hinein. Einfach toll! In diesem Teil tauchen wir noch tiefer ein in diese Welt und Furias Glaube wird stetig auf eine harte Probe gestellt. Am Ende riskiert sie einfach alles für diejenigen, die sie liebt, und muss sich ganz neu in ihr Schicksal finden.
Einzelne Kapitel werden auch aus Sicht von anderen Charakteren, wie z.B. aus Sicht von Furias Bruder Pip, Isis, der Siebenstern-Exlibri oder der rebellischen Cat, die zu Furias bester Freundin wird.  Alle sind mir zusehends ans Herz gewachsen. Durch die vielen Perspektiven und Erzählstränge bekommt der Leser neue Informationen, Hintergründe und Schauplätze zu sehen, die Furia verschlossen bleiben und es ermöglicht uns so, die Gesamtheit des Buches/der Trilogie weiter zu erfassen. Das habe ich an anderen Büchern von Kai Meyer immer schon sehr gemocht und das war auch dieses Mal wieder toll.
Alle Charaktere sind alle ganz fantastisch ausgearbeitet worden. Jeder für sich ist sehr detailliert in die Geschichte eingebaut und fügt sich perfekt in das Gesamtgeschehen ein. Sie sind sehr facettenreich, charmant und ganz individuell. Zudem macht jeder Charakter eine ganz persönliche Entwicklung durch und hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Zahlreiche Erzählstränge und ein Überfluss an neuen Ideen, die dennoch allesamt sehr gut zusammengefügt werden, sodass keine Verwirrung beim Leser aufkommt. Für mich bekommen alle Charaktere ein für sie würdiges Finale.

Die Welt, in der Furia lebt, ist für mich beim Lesen fast greifbar gewesen und ich kann gar nicht entscheiden, welchen Ort ich am liebsten mochte. Zum einen haben wir die unendliche Bibliothek im Hause Faerfax, dann die Bücherstadt Libropolis oder die Leere zwischen den Seiten der Welt. Tintlinge, Suchtbücher, die Häuser, die Ideen und Exlibri. Sehr bildhaft und detailliert entführt uns Kai Meyer an jeden dieser Orte und lässt ihn vor unserem inneren Auge zum Leben erwachen.

Im ersten Teil hat Furia eine Schwärmerei mit ihrem Brieffreund Severin aus dem 18. Jahrhundert, der sich als Siebenstern entpuppte und sie hinterging. Sein Verrat und Verlust schmerzt sie zunehmend und sie sehnt sich in diesem Buch mehr und mehr nach einer Liebe, die erwidert wird und ich wünsche es ihr sehr. Ganz am Ende des 2. Bandes, als schon fast alles vorbei war, trifft sie auf einen jungen Exlibri, Jim Hawkins, und die beiden wissen sofort, dass sie einander nicht vergessen können. Wie zwei alte Seelen, die sich endlich wiederbegegnen. Es ist nur ein ganz kurzer Moment und dann werden die beiden auch schon wieder getrennt. In diesem letzten Band werden die beiden immer wieder voneinander getrennt und ihre Zuneigung immer wieder auf eine harte Probe gestellt. Doch der Kampf der beide lohnt sich.
Damit die Liebe aber nicht zu kurz kommt, hat Kai Meyer eine ganz berührende Liebesgeschichte zwischen den beiden Rebellen Cat und Finnian mit eingebaut, die mich bis zum Ende den Atem hat anhalten lässt. Was für zwei Sturköpfe und was für ein Ende. Oh man.

Die Entwicklung der Geschichte, der Verlauf und vor allem der Ausgang des Buches haben mich mit jeder Seite neu überrascht und überzeugt. Mit jedem Kapitel kamen neue Tatsachen ans Licht, die Geschichte wurde noch komplexer und spannender als bereits in den ersten Teilen. Das Buch nahm stetig an Fahrt auf und gipfelte in einem grandiosen Finale, das mein Herz höher schlagen ließ. Zudem sind keine Fragen offen geblieben und alles hat sich logisch zusammengefügt. Sehr gerne wäre ich länger zwischen den Seiten der Welt geblieben.

Ja, der Schreibstil von Kai Meyer war wie immer großartig. Was soll ich noch groß sagen? Ich liebe es, wie bildhaft und detailliert er Orte, Personen und Gefühle etc beschreibt. Zudem findet er ganz wundervolle Formulierungen, die einzigartig sind und einem im Gedächtnis bleiben. Temporeich, fantastisch und bildgewaltig erzählt uns Kai Meyer eine Geschichte über die Liebe zu Büchern und erschafft dabei eine ganze Welt. Die Seiten der Welt.

REIHE
  

„Die Seiten der Welt - Blutbuch“ ist ein großartiges Finale und ich muss dieses Buch / diese Trilogie einfach jedem ans Herz legen, der eine Schwäche für Bücher hat. Es ist eine Liebeserklärung an Bücher, die ich nur bejahen kann. Diese Finale hat einfach alles, was ein grandioses Buch haben muss. Ein großartiges Setting, tolle Charaktere und ein Geheimnis, das über allem schwebt. Los, werdet auch ein Bibliomant und besorgt euch euer Lesezeichen für die Stadt Libropolis. Ihr werdet nicht enttäuscht!

Lg
Levenya


 
Verlag
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Fakten:
Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: FISCHER FJB
Auflage: 1 (10. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3841402267
ISBN-13: 978-3841402264
Preis: 19,99€

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